Leipziger Immobiliengespräch - 12.12.2017

30. LEIPZIGER IMMOBILIENGESPRÄCH
Oberbürgermeister Burkhard Jung im Dialog

Dienstag, 12. Dezember 2017, 19:00 Uhr

Wohnen, wohnen, wohnen.
Die Pipelines sind voll: Ist der Markt dem Druck damit gewachsen?
Und: Bleibt Wohnen bezahlbar?

Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung beurteilte „seine“ Stadt beim 30. LEIPZIGER IMMOBILIENGESPRÄCH mit diesen Worten: „im Osten ein Primus mit einer unglaublichen Entwicklung“.
Er zeigte vor 250 Gästen im Salles de Pologne auf, welche Fakten ihn dazu bringen. Die Stadt wächst, doch dies mache nur Sinn, „wenn es von Dauer, ökonomisch, ökologisch sinnvoll und nachhaltig ist“. Eine Zusammenarbeit hinsichtlich des Zuzugs mit den umliegenden Gemeinden sei nötig, früher hätte man außerdem um jede Gewerbeansiedlung gekämpft, heute sehe man einen Unternehmer auch gern in Zwenkau. Die Arbeitslosigkeit sei mit unter sieben Prozent niedrig, die Zufriedenheit und die Identifikation mit Leipzig sehr hoch. „Trotzdem ist die Gesellschaft polarisiert wie nie, die Menschen sind sehr skeptisch gegenüber den demokratischen Abläufen. Und trotzdem geht es uns so gut wie nie.“

„Heute schlägt mein Herz für die Mieter“, so Burkhard Jung. Die Ängste vor Verdrängung, die Konsequenzen einer Verdichtung sowie die Sorge um die Sicherheit beschäftige die Einwohner. „Wir haben es in der Hand Münchner Verhältnisse zu verhindern.“ Noch sei das Einkommen hier in Leipzig eher „dünn“, ob des bevorstehenden Zuzuges brauche es aber Aktivierungswege für den Neubau. So sind für 2018 die geplanten 20 Millionen Euro Förderung für den sozialen Wohnungsbau und damit die Entstehung von 400 bis 500 neuen Wohnungen bereits mit Projekten hinterlegt. „Das ist ein Anfang in den Einstieg.“

„Eine gute Nachricht: Wir dürfen starten, das Vertrauen ist da“: So stieg Iris Wolke-Haupt, Geschäftsführerin der stadteigenen Wohnungsgesellschaft LWB, in die Diskussion ein. 2018 starte man zehn Projekte, 60 Wohneinheiten werden fertig gestellt. 1.000 Wohneinheiten sollen es bis 2021 werden. Eben ein Anfang. Einen Brandbrief an ihren obersten Dienstherren – so wie in Berlin geschehen und von den sieben Wohnungsgesellschaften verfasst – habe sie nicht vor. In diesem Brief ging es um die Mängel in der Verwaltung. Torsten Kracht, CSO der Instone Real Estate Group B.V. und Geschäftsführer der Instone Real Estate Leipzig GmbH, sagte dazu: „Es kann nicht unser Anspruch sein, dass wir sagen: in Leipzig dauert eine Baugenehmigung vier Jahre, in Frankfurt aber sechs Jahre.“ Es gebe eine engagierte Sachbearbeiterebene, die aber überlastet sei. „Die Prozesse müssen einfacher und schneller werden, die Mitarbeiter im Rathaus brauchen eine Rückenstärkung von ihren Vorgesetzten und wir alle Richtlinien, auf die wir uns verlassen können.“

„Ja, wir haben ein Führungsproblem“, erwiderte Oberbürgermeister Burkhard Jung Die Amtsleiterstruktur bereite Kopfzerbrechen, das Finden neuer Arbeitskräfte für die Verwaltung gestalte sich schwierig. Die Ist-Situation: Der Leiter des Stadtplanungsamtes ist auf Abruf, die Baubürgermeisterin unter Beschuss, das Bauordnungsamt nicht besetzt. „Wir brauchen eine neue Ausrichtung. Das Amt für Stadtentwicklung wird einen Bereich Wohnungsbau bekommen.“ Über eine Umbenennung werde ebenfalls nachgedacht. Mehr Geld von der Bundesregierung erhoffe er sich für den sozialen Wohnungsbau.

„Jede gebaute Wohnung ist eine gute Wohnung“: Jacopo Mingazzini, Vorstand der ACCENTRO REAL ESTATE AG und Geschäftsführer der Accentro GmbH, hob hervor, dass es keine Rolle spiele, ob es eine Miet- oder eine Eigentumswohnung sei. Geförderter Wohnungsbau ist in seinen Augen: Verplemperung. „Es wird damit ein Moloch von Bürokratie aufgebaut.“ Mit der Folge, dass es oft große Fehlbelegungen gebe. „Eine Subjektförderung halte ich für sinnvoll.“ Dr. Malte Maurer, Managing Director M&A bei der Deutsche Wohnen SE, würde gern noch viel mehr in Leipzig zukaufen. Momentan hat die Deutsche Wohnen im Lindenauer Hafen ein Projekt mit 44 Wohneinheiten. „Ich wäre glücklich, wenn ich hier ein großes Los bekommen könnte.“ Nein, sozialer Wohnungsbau werde das nicht. Komplett neu am Leipziger Markt ist Babette Schmidt, Vorstand AOC Immobilien aus Magdeburg, die 150 Projekte prüften, bevor sie schließlich an der Prager Straße / Riebeckstraße kauften. „In allen Städten, in denen wir tätig sind, spielt die Schaffung von Wohnraum eine Rolle.“ Ihre Strategie: Für jedes Projekt „konstituiert“ sich ein Bauteam in einem sehr frühen Entwicklungsstadium. Kürzere Bauzeit, Kostensicherheit und hohe Effizienz seien die Folge.

„Die Kappungsgrenze von 15 Prozent wird 2018 kommen“, verkündete Oberbürgermeister Burkhard Jung. Eine Erhaltungssatzung werde diskutiert, er habe dazu noch keine abgeschlossene Meinung. „Alles hängt von der wirtschaftlichen Entwicklung ab“, so der Politiker. Der Konter von Jacopo Mingazzini, Geschäftsführer der Accentro GmbH und Vorstand der ACCENTRO REAL ESTATE AG: „Um die Mieterrechte müssen wir uns in Deutschland nicht sorgen. Milieuschutzgebiete können aber nicht der Sinn sein.“ Die Kommunen bekämen so mehr Eingriffsrechte, das Motto sei: Beherrschen durch Betreuen. Weiterer wichtiger Diskussionspunkt: Momentan entstehen sehr viele Wohnungen im Mietbereich von zehn bis 12 Euro pro Quadratmeter. „Das wird nicht gut gehen“, so Torsten Kracht, CSO der Instone Real Estate Group B.V. und Geschäftsführer der Instone Real Estate Leipzig GmbH. „Wenn keine Einkommen da sind, können solche Mieten auch nicht gezahlt werden.“ Es komme zu einer Abwanderung in die Region, die Wohnungen würden kleiner werden. „Wer heute Miete zahlen kann, kann auch eine Wohnung abbezahlen. Sinnvoll wäre in meinen Augen beispielsweise der Erlass der Grunderwerbsteuer beim Erstkauf.“ Dies könne auch an die Gehälter gekoppelt werden.

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