Veranstaltungsreihe IMMOBILIENGESPRÄCH - Dresdener Immobiliengespräch - 23.01.2018

Dresdener Immobiliengespräch - 23.01.2018

Schnelles, kostengünstiges Bauen zwischen Architekturdebatten und Stadtplanung

Podium:

  • Stefan Szuggat, Leiter Stadtplanungsamt, Landeshauptstadt Dresden
  • Babette Schmidt, Vorstand AOC Immobilien AG, Magdeburg
  • Christian Reißing, Vorstand ZBI Zentral Boden Immobilien AG, Erlangen
  • Bernd Dietze, Geschäftsführer Baywobau Baubetreuung GmbH Niederlassung Dresden
  • Ralph Ziegler, Managing Director Capital Bay Transaction Management GmbH, Berlin

 
Moderation: RA Bernd Morgenroth, BSKP Dr. Broll Schmitt Kaufmann & Partner, Dresden
 
Schnell, kostengünstig, schön: Geht das überhaupt? Mit dieser Frage eröffnete Frank Müller, Vorstand des BFW Landesverband Mitteldeutschland e. V., das mittlerweile 10. DRESDNER IMMOBILIENGESPRÄCH im Westin Bellevue. Genau aus dieser Frage entstehe schnell ein Interessenkonflikt. 2.000 Wohnungen entstanden im Schnitt in der Vergangenheit pro Jahr. „Die Maschine rollt“, so Frank Müller. Nur: Kommt Wohnraum in den richtigen Segmenten auf den Markt? Und: Kommt nicht zu viel auf den Markt? Das Gefühl besage, dass es trotz großer Nachfrage nicht mehr viel gebe. Es folgten verschiedene Zahlen, die die Schwierigkeiten verdeutlichen: 2016 gab es beispielsweise 20 Prozent weniger Baugenehmigungen als 2015, zudem seien die Grundstücksverträge seit 2011 rückläufig. Auf sinnvolle Verdichtung komme es ob der mangelnden Grundstücke an. Bei dem Wort kostengünstig fielen Frank Müller genau drei Worte ein: Vorschriften, Vorschriften, Vorschriften. „Hier muss unbedingt vereinfacht werden.“ Dabei dann auch noch auf Schönheit achten, sei schwierig und nicht immer für alle schlüssig zu lösen.
 
„Dresden ist Baukulturstadt.“ Stefan Szuggat, Leiter des Dresdner Stadtplanungsamtes, sprach in seinem Auftaktvortrag beim 10. DRESDNER IMMOBILIENGESPRÄCH nicht nur über steigende Baukosten. Er warf auch einen Blick in die Vergangenheit: Leonardo da Vinci entwarf einst das „Casa mutabile“, ein vorgefertigtes Holzhaus, das veränderbar war. Oder auf das AIROH-Aluminium-Haus, das in nur zwölf Minuten Produktionszeit aus vier Teilen mit zehn Tonnen Gewicht gefertigt wurde. Die Sinnhaftigkeit der Modulbauweise erläuterte er an der Aufgabe, nach einem Stadtratsbeschluss im Jahr 2012 15 Kitas zu bauen – in anderthalb Jahren. Zudem verwies er auf Bauteams. Diese Verbindungen aus Generalunternehmer, Architekt und Fachplanern – ohne Nachtragsverhandlungen und mit Zusatzzahlungen für bestellte Mehrleistungen – sei mehr als sinnvoll. Am Ende seines Vortrages formulierte er eine allgemeine Botschaft an die Zuhörer: „Wir sitzen nicht in einem Philosophenturm, sondern wollen, dass die Projekte gelingen. Die Mitwirkungsbereitschaft der Bauherren ist in Dresden sehr hoch.“



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Langweilige Bauweise namens „Würfelhusten“: Das bemängelte Bernd Dietze, Geschäftsführer der Baywobau Baubetreuung GmbH, beim 10. DRESDNER IMMOBILIENGESPRÄCH. Wenn zwei Ämter in der Verwaltung unterschiedlicher Meinung seien, werde es schwierig für die Bauherren und führe zu Verzögerungen. „Wir brauchen Verlässlichkeit hinsichtlich der Entwürfe, klare Zeitvorgaben, danach die Kontrolle dieser Termine sowie allgemein kürzere Wege“, sagte Bernd Dietze, der seit 27 Jahren in Dresden bei der Baywobau wirkt. Die Politik müsse offensiver agieren: Wenn eine Bauweise gewünscht sei, solle diese auch umgesetzt werden. Mit Bernd Morgenroth, Moderator des Abends und Rechtsanwalt in der Kanzlei BSKP Dr. Broll Schmitt Kaufmann & Partner, sprach Babette Schmidt, Vorstand der AOC Immobilien AG aus Magdeburg, über die Vorteile von Bauteams: „Wir binden in einer sehr frühen Phase alle Gewerke ein, suchen uns ausschließlich Partner, die in Dresden zuhause sind.“ Diese Partnerauswahl sei die größte Stellschraube der Projekte. Für Schmidt liegen die Vorteile klar auf der Hand: Effizienz und damit weniger Kosten und die Verkürzung der Genehmigungsverfahren. Für ihr Projekt am Bischofsplatz lag die Baugenehmigung noch vor Ablauf der Frist von drei Monaten vor.
 
Akzeptanz internationaler Kapitalgeber: Dresden ist begehrt! Das bestätigte beim 10. DRESDNER IMMOBILIENGESPRÄCH Ralph Ziegler, Managing Director Capital Bay Transaction Management GmbH: „Wir müssen über den hiesigen Markt informieren. Viele Investoren sind ob der Erfahrungen aus den 1990er Jahren zurückhaltend.“ Dazu gehöre auch eine Verbindlichkeit, „denn wenn das Projektende mehr als zweieinhalb Jahre in der Zukunft liegt, wird es sehr schwierig.“ Dresden sei eine „Zukunftsstadt“, die für Investoren super berechenbar sei. Ähnlich äußerte sich auch Christian Reißing, Vorstand ZBI Zentral Boden Immobilien AG, der gerade mit dem Güntzareal eines der größten Projekte in Dresden mit verantwortet. „In der Dresdner Verwaltung ist die Kooperationsbereitschaft sehr hoch, es ist ein Geben und Nehmen.“ Wirtschaftliche Prämissen von Kapitalgebern würden nicht außen vor gelassen. „In anderen Städten sieht das ganz anders aus.“
 

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