Chemnitzer Immobiliengespräch - 12.09.2017

3. Chemnitzer Immobiliengespräch
Dienstag, 12. September 2017
 

Podium:

  • Michael Stötzer, Bürgermeister und Dezernatsleiter Stadtentwicklung und Bau, Chemnitz
  • Sören Uhle, Geschäftsführer CWE Chemnitzer Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft mbH
  • Ullrich Hintzen, Vorstand FASA  AG, Chemnitz
  • Christian Graf von Wedel, Geschäftsführer GW living GmbH, Frankfurt / Main
  • Dr. Jochen Stahl, Geschäftsführer ICG Real Estate Consulting, Frankfurt / Main
  • Malte Laub, Geschäftsführer Laub – Die Immobiliengruppe, Chemnitz

Moderation:

  • Udo Lindner, stellv. Chefredakteur Freie Presse, Chemnitz

 
 
Wir sind da, wo vorn ist! So hätte der Beginn des 3. Chemnitzer Immobiliengesprächs lauten können. Baubürgermeister Michael Stötzer blickte nur am Anfang kurz zurück: 12 Großraumprojekte wurden zwischen 1997 und 2012 realisiert. Die Zukunft wirkt noch viel verlockender.

  • Der Neubau des Technischen Rathauses wird im vierten Quartal 2017 fertiggestellt.
  • Der Versorger eins – energie in sachsen will einen neuen Firmensitz, der alle modernen Anforderungen erfüllt.
  • Die Bahnhofstraße bekommt doppelte Baumreihen, Verkehrsknotenpunkte werden angepasst, alles finanziert aus dem städtischen Haushalt.
  • Für den Getreidemarkt, der zu einem Mischgebiet werden soll, laufen die Arbeiten am Bebauungsplan.
  • Das Theaterquartier mit einer zukünftigen Bruttogeschossfläche von etwa 56.000 Quadratmetern gilt als eines der größten Innenstadtprojekte.

Dazu kommt eine wachsende Bevölkerungszahl, die eine Überarbeitung des Wohnraumbedarfskonzeptes bis Dezember zur Folge hat. Egal, wie man es dreht und wendet: Chemnitz kommt.

Schmerz unter den Metropolen

Wirtschaftsförderer Sören Uhle absolvierte beim 3. Chemnitzer Immobiliengespräch eine wahre Verkaufsshow – nicht ohne kleine Seitenhiebe. 27 Jahre hätte Chemnitz unter den Metropolen Leipzig und Dresden gelitten, nun endlich sei die Stadt selbstbewusst. „Dresden hat sich beworben, weil sie in der Eigenwahrnehmung schon Kulturhauptstadt sind, Leipzig hat einen Brief geschrieben und zur Bewerbung gratuliert. Sie machen nicht mit, da sie schon Kulturhauptstadt sind“, so Sören Uhle.

Er warb für #chemnitz2025. Es sollen nicht nur Traumbilder bleiben, sondern es solle eine Verbindlichkeit geben, die als ein herausragender Wert, als Botschaft durch ganz Europa getragen wird. Chemnitz als Stadt der Arbeit sei einer der wichtigsten Eigenschaften, eine Stadt mit Brüchen, deren Ausstrahlung unterschätzt wird. „Aus einer Schwäche wird eine Stärke der Zukunft“, so Sören Uhle. Denn die Stadt hat noch einige Flächen, die bearbeitet werden können. Investoren willkommen! Sören Uhle spekuliert auf weiteren Zuzug, sieht Thüringen „als gutes Quellgebiet“, denn die Gebiete um Chemnitz herum will er nicht ausdünnen. „Wir wollen ja keine Insel sein.“
 
Gesucht: Belebte Innenstadt!

Nach den Vorträgen ging es beim 3. Chemnitzer Immobiliengespräch in die Diskussion, die vom stellvertretenden Chefredakteur der Freie Presse, Udo Lindner, moderiert wurde. Ullrich Hintzen, Vorstand der FASA AG, fasste die Situation in der Innenstadt zusammen und formulierte gleich noch einen Wunsch: „Die Dichte der Personen wird schlagartig dünn, es braucht Frequenz. Der Einzelhandel muss gestärkt werden, es braucht dringend einen guten Herrenausstatter.“

Malte Laub, Inhaber von Laub - Die Immobiliengruppe, sieht es ähnlich: „Es müssen Menschen in der Innenstadt leben, die aus dem Haus gehen, auch mal Krach ertragen, junge Leute wollen wir dort. Denn wo es keine Menschen gibt, da gibt es auch keinen Umsatz. Ein höherer Anspruch der Einwohner sichert gute Projekte mit guter Qualität, die höheren Mieten ziehen kaufkräftiges Publikum an.“

Dr. Jochen Stahl, Geschäftsführer ICG Real Estate Consulting und damit Eigentümer des Neefeparks, vermeldete eine Vollvermietung, einen neuen Gartenmarkt sowie nach aktuellem Stand den Verbleib von IKEA. Und er sprach über die Anforderungen der kommenden Jahre. „Es ist nicht davon auszugehen, dass unsere Flächen in zehn Jahren noch genauso genutzt werden können. Aber wir sind vorbereitet und denken jetzt schon über die Zukunft nach.“
 
Genug Mittelmaß, nun braucht es Leuchttürme!

Im zweiten Teil des 3. Chemnitzer Immobiliengesprächs drehte sich alles um Mieten und die Qualität von Wohnungen. Moderator Udo Lindner, stellvertretender Chefredakteur Freie Presse, kitzelte erstaunliche Statements zu Tage. Malte Laub, Inhaber von Laub - Die Immobiliengruppe, wurde wohl am drastischsten: „Wir haben in Chemnitz genug Mittelmaß rumstehen, wir brauchen Leuchttürme. Ich bin überzeugt davon, dass 0815-Bauen auch nicht zu einem wirtschaftlichen Erfolg führen wird.“  Hochwertiger Wohnraum für acht oder neun Euro pro Quadratmeter sei begehrt, für Penthäuser könne man sogar mehr verlangen.

Ullrich Hintzen, Vorstand der FASA AG, verwies auf die Chance, Solarenergie und Architektur gekonnt miteinander zu vereinen. Christian Graf von Wedel, Geschäftsführer GW living GmbH, mahnte allgemein, dass der Anspruch an die Wohnqualität weiter steigen werde. Dr. Jochen Stahl, Geschäftsführer ICG Real Estate Consulting und damit Eigentümer des Neefeparks, forderte von der Politik ein Einsehen: „Wir müssen ein Konvolut von Bedingungen und Forderungen erfüllen, die von Brüssel noch in die Quadratur gesetzt werden. Es ist keine Frage, dass wir uns gute Architektur leisten können, nur das andere können wir uns schwer leisten.“

Ein Statement, über das die 160 Gäste noch beim Get-together lange diskutierten.

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