Berliner Immobiliengespräch - 11.09.2017

Feindbild Investor? Darüber diskutierten beim 2. Berliner Immobiliengespräch Brancheninsider und Politiker in der Firmenzentrale der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG AG.

Podium:

  • Sebastian Scheel, Staatssekretär für Wohnen, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen
  • Christoph Gröner, Vorsitzender des Vorstandes CG Gruppe AG
  • Florian Schmidt, Bezirksstadtrat für Bauen, Planen und FM, Friedrichshain-Kreuzberg
  • Dr. Ulrich Kriese, Prokurist, Leiter Öffentlichkeitsarbeit, Stiftung Edith Maryon, Basel
  • Jacopo Mingazzini, Geschäftsführer der Accentro GmbH/Vorstand der ACCENTRO Real Estate AG
  • Manuel Ehlers, Relationship Manager Nachhaltige Immobilien, Triodos Bank, Berlin
  • Alexander Happ, Geschäftsführer BUWOG Group NL Berlin

 Moderation:

  •  Christian Hunziker, Journalist und Autor, Berlin

 
Sebastian Scheel, Staatssekretär für Wohnen, zeichnete in seinem Auftaktvortrag das Bild einer prosperierenden Stadt. Für Berlin stehe jetzt eine Aufgabe im Vordergrund: Bis 2030 müssen für die Bedarfsdeckung 117.000 Wohnungen gebaut werden, bei steigenden Bodenpreisen und einer Situation, in der 85 Prozent der Menschen zur Miete wohnen. Genau die soll weiter erschwinglich sein.

39 soziale Erhaltungsgebiete, in denen etwa 600.000 Menschen leben, gibt es derzeit in Berlin. Zehn Gebiete befinden sich in Prüfung. Umwandlungsverordnung, Vorkaufsrecht, Mietpreisbremse – all jene kritisch betrachteten Maßnahmen zählte er für die Sicherung der Berliner Mischung auf. Private Investoren seien immer herzlich Willkommen.

„Wir haben in Berlin ein sehr aufgeheiztes Stadtklima. Wir müssen die Menschen mehr mitnehmen. Diese Aufheizung zu reduzieren sollte unser gemeinsames, ambitioniertes Ziel sein“, sagte er vor den über 200 Gästen.

Fotos: Sven Darmer

Zum Kaputtlachen?

Die anschließende Diskussion, moderiert vom Immobilienjournalisten Christian Hunziker, wurde zum erwarteten Schlagabtausch. Florian Schmidt, Bezirksstadtrat für Friedrichshain-Kreuzberg, ist für seinen Kampf um gemeinwohlorientiertes, nachhaltiges Bauen mittlerweile in ganz Deutschland bekannt. „Wir müssen auf das komplette Panorama schauen, wie es sich gerade in den Innenstadtquartieren darstellt“, so der Politiker. „Die Märkte sind so aufgeheizt, dass natürlich einige schwarze Schafe motiviert sind, aus Miet- dann Eigentumswohnungen zu machen.“ Das Thema „Betongold“ sei ein reales und großes Problem.

Der Widerspruch blieb nicht aus. Christoph Gröner, Vorstandsvorsitzender der CG Gruppe AG, beantwortete die Frage nach dem Fehler in dieser Diskussion wie folgt: „Die Politik muss sich darum kümmern, dass Arbeitsplätze geschaffen, Kaufkraft generiert wird.“ Projektentwickler seien nicht dafür da, das Elend weiter mitzutragen, die Hauptstadt und damit die Politik müsse den Rahmen schaffen. Derzeit kann sich Berlin hinsichtlich des durchschnittlichen Einkommens nicht gerade mit Ruhm bekleckern. „Was heißt denn, dass es einen aufgeheizten Markt gibt? Ich lach mich kaputt.“ Natürlich brauche man auch als privater Investor den Schulterschluss mit der Politik, aber nicht mit den derzeit angewendeten Instrumentarien.

Jacopo Mingazzini, Vorstand der Accentro Real Estate AG und Geschäftsführer der Accentro GmbH, legte den Fokus dann wieder auf einen anderen Punkt: „Ich höre zwar das Willkommen, aber hinsichtlich der Zusammenarbeit kann ich das so nicht feststellen. Das spiegelt die derzeitige Gefühlslage wieder, der man sich ausgesetzt fühlt.“ Die zunehmende Ausweisung von Milieuschutzgebieten kritisierte er: „Was gibt es denn Ausgleichenderes, als wenn Menschen sich in ihrem Kiez eine Wohnung kaufen?“
 
Bremsende Effekte mit Bananenrepublik-Charakter?

Alexander Happ, Geschäftsführer der BUWOG Group Berlin, formulierte klar, dass er mit Absicht keine Projekte in Friedrichshain-Kreuzberg realisiere. „Die positive Atmosphäre kommt mir zu kurz“, sagte er. Das Vorkaufsrecht sei das plakativste Beispiel für die bremsenden Effekte, die die Verwaltung anwende. „Das hat ein wenig Bananenrepublik-Charakter. Florian Schmidt spielt damit, dass die Klagen gegen solche Maßnahmen lange dauern, meist über ein Jahr.“ Florian Schmidt konterte. Er sieht sich auf einem guten Weg. Sein Bezirk liege mittlerweile auf Platz vier bei der Anzahl der Baugenehmigungen, eine Stimulanz sei also vorhanden, gute Projekte werden umgesetzt, so langfristig stabile Preise erzielt.

Dr. Ulrich Kriese engagiert sich als Prokurist und Leiter Öffentlichkeitsarbeit bei der Stiftung Edith Maryon aus Basel sehr stark in Berlin. „Erbbaurecht muss eine größere Rollen spielen“, sagte er. „Damit kann man Vielfalt besser abbilden, soziale Zielsetzungen können so langfristig gesichert werden.“

Manuel Ehlers, Relationship Manager Nachhaltige Immobilien bei der Triodos Bank Deutschland in Berlin, war früher selbst für Projektentwickler tätig. Ihn störe vor allem das sehr kurzfristige Denken der Branche. „Wir müssen Handwerk, Künstler, Ateliers und ihre Räume schützen.“ Der Investorenmarkt denke zu sehr spartenorientiert.

Damit gab er eine Steilvorlage für Christoph Gröner: „Wir arbeiten mit Photovoltaik, das interessiert keinen Politiker. Wir erfüllen über Gebühr soziale Quoten. Auch das interessiert keinen Politiker. Dann kommt der Vorwurf, dass wir nicht nachhaltig sind.“ Die Politik versuche eine Lagerbildung, aber keine Entwicklung. „Bis die Politik reagiert, haben wir eine historische Chance vertan, bei den derzeitigen Niedrigzinsen Eigentum zu bilden. Gegen eine Altersvorsorge kann doch niemand sein.“

Jacopo Mingazzini fragte, woher die Verwaltung eigentlich die Hybris nehme, Blütenträumen nachzuhängen, die Investoren aber an den Pranger stellen. Auch die gewaltvollen Angriffe auf Investoren gehörten zur Debatte. „Ich nehme es nicht so hin, dass es Freiräume gibt, in denen Menschen machen können, was sie wollen“, so Christoph Gröner. Florian Schmidt hatte vorher darauf verwiesen, dass diese Auswüchse von entwürdigendem Verhalten die Aufgabe der Polizei und nicht der Politik seien.

Zwei Stunden wurde diskutiert, am Ende konnten auch die Zuhörer in der KPMG Karriere Deutschland Zentrale ihre Fragen loswerden. Und beim anschließenden Get-together ging die Debatte munter weiter.

Veranstalter

powered by


Kontakt

Marcus Grundmann
(0341) 697 697 77-24
grundmann@ wundr.de